Er war ein deutscher Psychiater und Psychoanalytiker, der 1933 wegen seiner
jüdischen Herkunft nach Großbritannien emigrieren musste. 1938 nahm er
die britische Staatsbürgerschaft und den im Englischen ähnlich
klingenden Namen Foulkes an. Fuchs wurde in Karlsruhe geboren. Er studierte Medizin in Heidelberg, München und Frankfurt am Main. Er absolvierte eine psychiatrische Ausbildung bei Otto Plötzl in Wien und eine neurologische bei Kurt Goldstein, dessen Assistent er für zwei Jahre wurde. So lernte er die Gestaltpsychologie
kennen, was sich für seine späteren gruppentherapeutischen Ansätze als
sehr bedeutsam erweisen sollte. Durch sein Interesse an psychologischen
Problemen kam er mit den Werken von Sigmund Freud in Kontakt und zog schließlich nach Wien, wo er sich einer Lehranalyse bei Helene Deutsch unterzog. Sein Kontrollanalytiker war Hermann Nunberg (Sandner 2008). In Wien nahm er im Rahmen seiner psychoanalytischen Ausbildung auch an dem von Wilhelm Reich geleiteten Technischen Seminar teil. 1930 schloss er sich dem psychoanalytischen Institut in Frankfurt am Main an. Später wurde er für kurze Zeit Leiter des Ambulatoriums des Frankfurter Psychoanalytischen Instituts, das im selben Gebäude untergebracht war wie das später berühmt gewordene Institut für Sozialforschung. Hier kam er in Kontakt mit Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Erich Fromm und Herbert Marcuse. Außerdem war er eng befreundet mit dem Soziologen Norbert Elias.
Die Zusammenarbeit mit ihm hatte auf seine später entwickelten
therapeutischen Konzepte ebenfalls großen Einfluss. Von ihm übernahm er
unter anderem den Grundgedanken der primären Sozialität
des Individuums, seiner existentiellen Gruppenbezogenheit und
Einbettung in eine transpersonale, kulturelle Matrix. Für kurze Zeit war
er Leiter des Ambulatoriums des psychoanalytischen Instituts in
Frankfurt. 1933 emigrierte er auf Einladung von Ernest Jones über Genf und Paris nach London
und ließ sich als Psychoanalytiker in Exeter nieder. 1938 nahm er die
britische Staatsangehörigkeit an. Im Herbst 1940 erhielt Foulkes seine
Einberufung ins Militär. Im selben Herbst hatte er die Idee, seine
Patienten im Wartezimmer zu versammeln und frei assoziieren zu lassen
(D. Köhncke, 2003). Er wusste im Anschluss daran, dass er etwas Neues
gefunden hatte. "Heute war ein historischer Augenblick in der
Psychiatrie, aber niemand weiß davon" (Lemche, 1993, S. 72).
„Als Wehrmachtspsychiater führte er ab 1942 in
Northfileld, dem damaligen Zentrum für die Ausbildung von
Militärpsychiatern, in großem Umfang Gruppenarbeit auf
psychoanalytischer Basis ein. Dort entwickelte er auch die Idee des
Krankenhauses als therapeutischer Gemeinschaft. Karl Menninger, der ihn
während dieser Zeit besuchte, hat später in den USA diesen Gedanken in
die Tat umgesetzt und zu einer weiten Verbreitung verholfen. “
– Sandner, 2008, S. 157
Foulkes erlitt während einer gruppenanalytischen Sitzung im Alter von
78 Jahren einen tödlichen Herzinfarkt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er
seine Denk- und Arbeitsweise in vier Büchern und mehr als 50 Aufsätzen
publiziert.
Gruppenanalyse Im Rahmen seiner Tätigkeit als Major des "Royal Army Medical Corps"
am Militärhospital von Northfield entwickelte er - beeinflusst von Trigant Burrow - seine spezielle Methode der psychoanalytischen Gruppenpsychotherapie, die Gruppenanalyse.
In seinem Ansatz der Gruppenanalyse verband Foulkes psychoanalytische
Modelle und soziologische Konzepte menschlicher Gruppen. Er bildete
zahllose Psychiater zu Gruppentherapeuten aus und beeinflusste, auch
über eine große Zahl von Publikationen, die gruppentherapeutischen
Entwicklungen seiner Zeit. Die Gruppenanalyse ist der erste breite und
systematische Ansatz einer psychoanalytisch fundierten Gruppentherapie.
1952 gründete er in London die Group Analytic Society (GAS) und 1971 das Institute of Group Analysis
(IGA) ebenfalls in London, das erste offizielle gruppenanalytische
Ausbildungsinstitut. Grundgedanke von Foulkes Verständnis
psychoanalytischer Gruppentherapie ist, dass die Gruppe und nicht der
Gruppentherapeut die heilende und korrigierende Agens darstellt. Der
Gruppenanalytiker hat in erster Linie die Aufgabe die Störungen des
Gruppenprozesses zu beseitigen, das heißt die Gruppe in ihrer
Arbeitsfähigkeit zu unterstützen. Im Gegensatz zur klassischen
Psychoanalyse betont Foulkes in seinem Verständnis krankhafter
psychischer Entwicklungen weniger den Einzelnen und seine ihm
mitgegebenen, auch biologisch geprägten Verhaltensbereitschaften,
sondern vielmehr den gesamten sozialen Kontext, in seiner Sprache
"Matrix" genannt. Der Einzelne ist Teil seiner familiären Matrix, seines
direkten sozialen Umfeldes als einer weiteren Matrix, ebenso seiner
Arbeitswelt und seiner kulturellen Matrix. Foulkes versteht jede
individuelle seelische Erkrankung als Ausdruck eines gestörten
Kräftespiels aller dieser ineinander verschachtelten unterschiedlichen
sozialen Matrizen. Genau aus diesem Grund sieht er die Gruppe - als eine
Art sozialer Mikrokosmos - als das wirksamste und angemessenste
Instrument der Heilung und des seelischen Wachstums.